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Durch Faltungs-Grenzen Weltprobleme lösen

Es ist klar, dass unser Lebensstil sehr viele Vorteile hat. Uns im Westen geht es sehr gut und darauf will niemand verzichten und natürlich möchten auch die Benachteiligten ein Stück vom Kuchen - ein gleich grosses. Gleichzeitig stossen wir mit unseren Wachstum an Grenzen. Auf einem begrenzten Planet kann es kein unbegrenztes Wachstum geben.

Schon lange frage ich mich, ob es überhaupt möglich ist, aus diesem Dilemma herauszukommen.

Andres Levermann stellt in seinem Buch deshalb das Konzept der Faltung vor, das zu einer Lösung dieses Dilemmas führen könnte. Mich hat es überzeugt durch seine Klarheit und verblüffende Einfachheit. Hier die wichtigsten Punkte:


Was ist Faltung?

Faltung geschieht immer dann, wenn man an eine Grenze stösst und eine andere, neue Möglichkeit sucht, um weiterzumachen. Dies geschah z.B. auf gesellschaftlicher Ebene, als die Sklaverei verboten wurde.

Wichtig ist dabei, dass man nur eine Grenzw setzt, es aber der Wirtschaft überlässt, wie sie reagieren will. So entsteht die Kreativität, die Probleme lösen kann.

Die Umweltprobleme

Dass wir mit unserem Lebensstil an die Grenzen unseres Planeten stossen, dürfte jedem klar sein, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Massensterben bei Insekten und Tieren, vergiftete Böden und Gewässer, Klimaerwärmung, Ressourcen, die knapp werden, sind einige Stichworte dazu. Herr Levermann schlägt deshalb drei mögliche Grenzen vor:

  • Verbot von CO2 Ausstoss (diese Grenze ist bereits am wirken, der Zertifikatshandel ist eine solche Grenze und wirkt nun zunehmend, trotz anfänglicher Schwierigkeiten)

  • Ein Gesetz, dass den Abbau von Ressourcen in z.B. 100 Jahren verbieten wird. Bis dahin soll die Wirtschaft so weit sein, dass wir von recycelten Ressourcen leben können. (Herr Levermann hat für die energieintensive Wiederaufbereitung der Ressourcen automatische Fabriken im Sinn, die immer dann arbeiten, wenn zuviel Sonnen/ Windstrom da ist.)

  • Einfuhr von Gütern und Rohstoffen nur noch für Güter erlaubt, die gemäss unseren Gesetzen hergestellt wurden. (Damit diese Grenzen nicht dauernd durch den Import von billigen Gütern torpediert werden)

Das Problem mit "to big to fail"-Konzernen

Zu grosse Konzerne sind für die Gesellschaft ein Problem. Sie können zu stark bestimmen und auch auf Staatsangelegenheiten Einfluss nehmen. (Deshalb gibt es ja auch das Kartellgesetz, das aber zu langsam ist). Bereits mehrere Male mussten die Staaten auch sogenannte systemrelevante Unternehmen retten - in der Schweiz zuletzt geschehen mit der Credit Suisse.

Deshalb schlägt Herr Levermann auch hier eine Faltungsgrenze vor:

  • Man könnte Unternehmen ab einer bestimmten Grösse so massiv besteuern, dass sich eine Aufspaltung ökologisch sinnvoller ist. (z.B: ab einem Jahresumsatz der grösser ist als 10% des Bruttoinlandproduktes). Kleine Unternehmen und Gewerbebetriebe wären nahezu steuerfrei, die Steuer steigt dann langsam und regelmässig mit der Grösse an, aber wenn man sehr nahe dieser "Grössen-Grenze" kommt, steigt sie immer stärker (exponentiell).

Das Problem mit den Superreichen

Es ist nicht so, dass Herr Levermann etwas gegen unterschiedlich verteilte Vermögen hat. Aber er führt aus, dass die Superreichen (die pro Minute mehr verdienen als z.B. eine Krankenschwester in ihrem ganzen Leben verdienen kann) für die Gemeinschaft ein Problem sind. Mit ihrem unendlich grossen Reichtum können sie sich alles leisten, auch so viel Werbung für ihre Anliegen, dass wir dem als Gesellschaft nichts entgegenzusetzen haben. Die Superreichen nehmen sich deshalb je länger je mehr aus der Gesellschaft und ihrer Verantwortung heraus. Dies ist gefährlich für die Demokratie und gefährdet den Zusammenhalt. Die Grenzen, die Herr Levermann deshalb hier vorschlägt sind folgende:

  • Erbschaftshöhe beschränken: Viele Superreiche haben von ihren Eltern schon so enorm viel Geld geerbt, dass sie daraus immer noch mehr machen können, ohne wirklich etwas leisten zu müssen. Wenn wir die Erbschaft pro Erbe gesetzlich beschränken würden, dann könnte eine einzelne Person nur noch z.B. 2 Millionen erben. Mit dem restlichen Geld würden wahrscheinlich weitere Verwandte bedacht, Stiftungen gegründet, Projekte unterstützt etc. So würde das Geld wieder ein Stück weit unter der Gesellschaft verteilt.

  • Jahreseinkommen beschränken: gute Leistung soll weiterhin belohnt werden, denn das ist der Motor von Wirtschaft und Inovation. Aber ist es wirklich sinnvoll, wenn jemand pro Minute so viel verdient, wie andere im Leben nie erhalten werden? Herr Levermann schlägt vor, dass Verhältnis zwischen dem gesetzlichen Minimallohne und dem Höchstlohn zu regeln. (Man könnte z.B. sagen, niemand solle in einem Jahr mehr verdienen dürfen, als andere im ganzen Leben können). Auch hier könnte man wieder mit Steuern Grenzen setzen, z.B. indem bei zu hohen Einkommen quasi alles versteuert werden müsste. Oder man könnte es per Gesetz vorschreiben.

Wahrscheinlich würden sich die meisten Menschen genauso verhalten, wie vorher. Und doch ändert sich viel, denn unendlich viel Geld verdienen wäre plötzlich nicht mehr sinnvoll.







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