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Der Mensch ist im Grunde gut


Stell dir vor...

Stell dir vor, wir könnten einander vertrauen. Wenn du etwas Gutes tust, wirst du unterstützt, und die andern freuen sich mit dir oder helfen sogar mit.

Wenn dir ein Fehler geschieht, so ist allen klar, dass das geschehen kann. Niemand kommt auf die Idee, dich deswegen fertig zu machen.

Haustüren kann man unverschlossen lassen, denn wir können einander trauen.

Stell dir vor, welche Energien das freisetzen würde! Und welche Kosten gespart würden, wenn wir grundsätzlich davon aus gehen, dass die Menschen das Gute wollen...

Hintergrund

Rutger Bregmann ist einer der neueren Historiker, die glauben, dass Menschen im tiefsten Innern gut und freundlich sind. Er berichtet davon, dass Menschen sich in Katastrophen unterstützen, davon, dass es für die Militärs der Welt ein Problem gibt, nämlich, dass Soldaten nicht töten wollen, von Kindern, die auf einer Insel verschollen waren und sich da nicht etwa bekämpft hatten, sondern unterstützt. Es ist ja eigentlich auch kein Wunder. Wir Menschen sind von Geburt an auf andere Menschen angewiesen und von der Biologie her deshalb auf Kooperation und Vertrauen ausgerichtet. Der Mensch ist also im Grunde ein freundliches Wesen. Konkurenz und Misstrauen liegen eigentlich gar nicht in unserem Wesen. Sie wird uns nur ständig eingeimpft, so dass wir alle daran glauben und uns entsprechend verhalten. Trotzdem gibt es das Böse in der Welt. Das erklärt Herr Bregmann so: Gerade weil wir Menschen so stark voneinander abgängig sind und uns Vertrauen müssen, sind wir sehr gutgläubig. Mit einer glaubhaften Geschichte kann man uns zu sehr vielem bringen, vor allem wenn anscheinend alle andern auch mitmachen. Und dies kann man zu Gutem wie auch zu sehr Bösem ausnutzen. Und noch etwas bringt Menschen dazu, schlimme Dinge zu tun: Macht. Macht verzehrt die Wahrnehmung, schneidet die Machthaber von ehrlichen Meinungen ab, verändert ihre Sicht auf die Welt und sie macht süchtig nach noch mehr Macht.

Wie geht das?

Die Tatsache, dass wir überzeugt sind, dass der Mensch böse ist, bringe selber sehr viel Böses hervor. Es ist eine Rückkoppelungsschleife. Mach jemandem ein Kompliment, und er ist geneigt, freundlich zu dir zu sein. Weisst du ihn aber zurecht, so wird er unwirsch zurückgeben.

Unser Glaube an das Schlechte im Menschen verhindert zudem sehr vieles, weil wir schon vorher Vorsichtsmassnahmen treffen, die evtl. gar nicht nötig wären und bessere Ergebnisse verhindern.

Beispiele

In der Monterana-Schule im schweizerischen Degersheim (und auch in andern Schulen), müssen Kinder zwar anwesend sein, einen Zwang am Unterricht teilzunehmen gibt es aber nicht. Die Kinder nutzen die Zeit um zu spielen und basteln, zu bauen, musizieren und zu toben, und lernen dabei sehr viel übers Leben, den sozialen Umgang und darüber, wie man Ideen anpackt und umsetzt. Die Lehrer stehen für Fragen zur Verfügung, helfen beim Bauen und Musik machen, sorgen für einen gewissen Rahmen und bringen auch wöchentlich Anregungen und Experimente mit. Einmal pro Woche gibt es einen gemeinsamen Ausflug. Ach ja, ein bisschen wollen die Kinder auch lesen lernen, aber nicht alle.

In der Pubertät kommt dann eine Krise, wo sie quasi nur rumhängen. Auch da gibt es keinen Zwang, doch etwas zu tun.

Danach möchten die Jugendlichen plötzlich von sich aus lernen, möchten ihren Platz in der Gesellschaft finden und gehen dazu freiwillig in schulischen Unterricht und lernen innerhalb 1-2 Jahren den ganzen Stoff, den es dazu braucht (ja, auch Physik oder Französisch, falls das für ihren Beruf nötig ist).

Lehrmeister, die solche Jugendliche nehmen, sind begeistert von der Eigenmotivation, die diese jungen Leute mitbringen.

www.monterana.ch


Es gibt einige wenige Gefängnisse in der Welt (z.B. in Norwegen), in denen Menschen nicht eingesperrt werden, sondern lernen, wie das Leben geht. Sie wohnen dazu in einem eigens geschaffenen Dorf in eigenen Zimmern mit Bad.. Die Wächter sind unbewaffnet und haben den Auftrag, den Häftlingen beizubringen, wie sie im Leben zurechtkommen können und man sich gegenseitig unterstützt. Sie arbeiten mit den Häftlingen zusammen und verbringen auch gemeinsam Freizeit.

Es wohnen da nicht etwa nur kleine Diebe, sondern Schwerverbrecher und Mörder.

Und siehe da, die Rückfallquote ist in solchen Gefängnissen nur 13 Prozent.(wohingegen sie in Amerika, mit seinen restriktiven Gefängnissen, 60% beträgt)

Es finden nachher auch viel mehr Häftlinge eine Arbeit, was die höheren Kosten dieses humanen Strafvollzugs bei weitem wieder aufhebt.

https://uni.de/redaktion/Das+netteste+Gefängnis+der+Welt


In der Sonderschule, wo ich arbeite, kommen sehr viele Kinder mit einer schwierigen Schulvergangenheit. Sie wurden gemobbt, von Lehrern in die Ecke des Bösewichtes gedrängt, mussten hören, dass aus ihnen nie etwas wird, dass sie dumm sind und manche durften gar nicht mehr zur Schule gehen. Viele haben deshalb richtiggehend Panik vor der Schule oder vor gewissen Fächern. Sie lassen sich schon gar nicht mehr ein, hören nicht mehr zu - was natürlich überhaupt nicht hilft, es doch noch zu verstehen. Viele werden durch diese Erlebnisse auch bockig, gewalttätig oder depressiv und desinteressiert.

Wir versuchen die Kinder einfach mal gern zu haben, egal wieviele Probleme sie mitbringen und machen. Wir versuchen Druck wegzunehmen, Interesse zu wecken und ihnen zu zeigen, was sie alles gut können. Und siehe da, in vielen werden die Probleme weniger, die Schüler beruhigen sich, interessieren sich zunehmen und lernen wieder.

Möchtest du mehr wissen

  • Das Hörbuch ist auf Spotify zu finden.

  • Buch/ Hörbuch/ ebook "Im Grunde gut" von Rutger Bregmann kaufen

  • Zusammenfassung des Buches als Podcast https://www.youtube.com/watch?v=wpDQYYbw8D8

  • Ein Gespräch mit Herrn Bregmann in Sternstunde Philosophie von SRF findest du hier. Ein Satz, der mir gefallen hat in diesem Gespräch: Fortschritt wird von Menschen geschaffen und aufrecht erhalten. Es gibt keine Bewegung des Universums zu mehr Gerechtigkeit oder überhaupt in eine Richtung. Es sind Menschen, die etwas tun

Erkenntnisse des Autors für sein Leben

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